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26. octobre 2026

ZEV, vZEV oder Praxismodell? Betreibermodelle für Solarstrom im Vergleich

Wer Solarstrom im eigenen Gebäude nutzen und an Mietende oder Grossverbraucher weitergeben will, hat heute vier Betreibermodelle zur Wahl. Sie unterscheiden sich stark: bei Verträgen, Messung, Tarifen und Aufwand im Betrieb. Unser Vergleich zeigt die wichtigsten Kriterien auf einen Blick.

Die vier Modelle kurz erklärt

ZEV (physisch): Physischer Zusammenschluss zum Eigenverbrauch. Alle Teilnehmenden – Mietende, allfällige Grossverbraucher, Allgemeinstrom – teilen einen gemeinsamen Netzanschlusspunkt. Gemessen wird über private Unterzähler.

vZEV (virtuell): Virtueller Zusammenschluss gemäss revidiertem Energiegesetz, seit 1. Januar 2026. Ein gemeinsamer physischer Anschlusspunkt ist nicht nötig. Die Teilnehmenden bleiben im selben Trafokreis, gemessen wird über die Smartmeter des Netzbetreibers.

Praxismodell (Standardprodukt des Netzbetreibers): Pragmatisches Produkt, das viele Netzbetreiber anbieten, etwa als «Eigenstrom»-Tarif. Es ist kein formeller ZEV: Die bestehenden Zähler pro Einheit bleiben, die Verrechnung ist vereinfacht.

Einspeisung Einzelverbraucher (Single Tenant): Der Solarstrom geht direkt an einen einzelnen Grossverbraucher, geregelt über einen bilateralen Liefervertrag (PPA) mit separater Messung. Alle übrigen Bezügerinnen und Bezüger werden wie bisher versorgt.

ZEV, vZEV, Praxismodell und Single Tenant im Detail

Wir haben die vier Modelle nach rund 40 Kriterien verglichen, aufgeteilt in vier Themen. Öffnen Sie ein Thema, um die Modelle direkt nebeneinander zu sehen.

Rechtlich und vertraglich

Der ZEV ist seit 2018 etabliert und rechtlich am besten abgesichert. Beim vZEV entstehen Praxis und Verordnungsdetails erst; Praxismodell und Single Tenant sind nicht ZEV-spezifisch reguliert.

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KriteriumZEVvZEVPraxismodellSingle Tenant
Gesetzliche GrundlageArt. 17a–17e EnG / StromVG, seit 2018, hohe RechtssicherheitNeu seit 1.1.2026 (Mantelerlass), Details teils im AufbauKein spezifischer Rahmen, freiwilliges Produkt des NetzbetreibersZivilrechtlicher Liefervertrag (OR), keine ZEV-Regulierung
VersorgungspflichtBeim ZEV-Betreiber, in der Regel die EigentümerschaftBeim vZEV-BetreiberBleibt beim Netzbetreiber; Eigentümerschaft verkauft nur PV-StromPPA für den Grossverbraucher; übrige in der Grundversorgung
Vertrag mit EndkundenZEV-Zusatz zum Mietvertrag oder ZEV-Reglement; gegenüber Netzbetreiber ein einziger EndkundeWie ZEV, plus Vereinbarung zum virtuellen VerbundSolarstrom-Klausel im Mietvertrag oder Zustimmung zum ProduktBilateraler PPA mit dem Grossverbraucher
Meldung beim NetzbetreiberMeldepflicht via Installationsanzeige, keine BewilligungMeldepflicht, plus Prüfung des TrafokreisesAnmeldung zum ProduktNetzanschlussgesuch für den Messpunkt
TeilnehmerkreisAlle hinter dem gemeinsamen Netzanschlusspunkt (Gebäude, Areal)Gebäude im selben Trafokreis, auch ohne physische VerbindungKein ZusammenschlussNur ein Grossverbraucher
Mieterwechsel, AustrittIm ZEV-Reglement geregelt; Neuvermietung an Teilnahme geknüpftWie ZEV, plus Koordination mit NetzbetreiberWiderruf jederzeit möglichLaufzeit und Kündigung im PPA geregelt
Verkauf, HandänderungAnlage und ZEV gehen an neue Eigentümerschaft über, Betrieb läuft weiterWie ZEV; bei Teilverkauf Auflösung oder Reglement zwischen EigentümernKeine Sonderregelung nötigPPA wird übernommen oder neu verhandelt
DatenhoheitDaten beim ZEV-Betreiber oder MessdienstleisterDaten beim Netzbetreiber, Weitergabe via Datenfreigabe (SDAT)Daten beim Netzbetreiber, eingeschränkter ZugriffDaten beim Messstellenbetreiber, Weitergabe vertraglich regeln

 

Messkonzept und Technik

Der physische Bilanzmesspunkt macht den ZEV zur besten Basis für Energiemanagement, Batterie und E-Mobilität. Beim vZEV ist das möglich, aber aufwändiger; das Praxismodell sieht keine Steuerung vor.

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KriteriumZEVvZEVPraxismodellSingle Tenant
StromzählerPrivate, geeichte Unterzähler pro Einheit; ein Zähler des Netzbetreibers am HauptanschlussSmartmeter des Netzbetreibers an jedem AnschlusspunktStandard-Smartmeter je Einheit, keine ZusatzhardwareSeparater Zähler beim Grossverbraucher
BilanzmesspunktEin physischer Bilanzmesspunkt fürs ganze GebäudeVirtuelle Bilanzierung über mehrere MesspunkteNicht nötigEigener Messpunkt für den PPA
Eichfristen, ZählerersatzPrivate Zähler: Eichfrist 10 Jahre, Ersatz durch Eigentümerschaft budgetierenDurch Netzbetreiber, in Messgebühr eingepreistWie vZEVWie vZEV
Energiemanagement (EMS)Sehr gut: zentrale, verzögerungsarme SteuerungEingeschränkt: höhere Latenz und Zusatzkosten für DatenKein zentrales EMSNur für den Grossverbraucher
Lastmanagement, SpitzenlastEinfach umsetzbar; senkt Anschlussleistung und Netzkosten für alleMöglich, aber aufwändig; braucht private BilanzmessungNicht möglichNur für den Grossverbraucher
Batteriespeicher nachrüstenEinfach hinter dem Bilanzmesspunkt integrierbarMöglich, aber komplexer und teurerNicht vorgesehen; würde Wechsel zu ZEV/vZEV bedingenNur dem Grossverbraucher zugeordnet
Lastmanagement E-MobilitätZentral steuerbar, PV-Überschussladen für alle LadestationenMöglich, aber Koordination eingeschränkt, keine EigenverbrauchsoptimierungNur lokal je LadestationSeparat für die Ladestationen des Grossverbrauchers
Abrechnung E-MobilitätIm ZEV integriert, über ZEV-TarifWie ZEV, Schnittstelle zu Ladestationen nötigMeist über separaten Ladeanbieter (CPO)Im PPA oder separat
EnergiemonitoringStrom, Wärme, Wasser in einem System; Kennzahlen wie JAZ/COP und Portfolio-Reporting einfachMöglich, Datenzusammenführung aufwändigerKein integrales MonitoringNur für den Grossverbraucher
Datenschnittstelle (API)Gut umsetzbar; Kosten und Limits früh klärenMehrere Anbindungen nötig, Stromdaten zeitverzögert (SDAT)Meist keine API, nur KundenportalMeist keine API, nur Kundenportal
Heizkosten- und WasserabrechnungIm selben System wie Strom möglich, tiefere Kosten pro AbrechnungMöglich, getrennte Datenquellen erschweren esBleibt separatBleibt separat
Flexibilitätsmärkte, dynamische TarifeGuter Zugang über den BilanzmesspunktEingeschränkt, Aggregation über mehrere MesspunkteKein ZugangNur für den Grossverbraucher
ErweiterbarkeitGut auf weitere Gebäude am selben Anschluss; als Standard replizierbarSehr gut, auch räumlich getrennte Liegenschaften im selben TrafokreisWenig flexibel; hängt vom Angebot des Netzbetreibers abNicht übertragbar

Tarife und Wirtschaftlichkeit

Mietende sparen im ZEV am meisten, in Referenzprojekten typischerweise 5–8 % der Stromkosten. Das Praxismodell braucht kaum Investitionen, bringt Mietenden aber den kleinsten Vorteil.

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KriteriumZEVvZEVPraxismodellSingle Tenant
StromabrechnungDurch ZEV-Betreiber oder Dienstleister, quartalsweise oder jährlich mit AkontoDurch vZEV-Betreiber auf Basis der Messdaten des NetzbetreibersDirekt durch den Netzbetreiber auf der StromrechnungSeparate Rechnung gemäss PPA; übrige wie bisher
SolartarifFrei festlegbar (kostenbasiert oder 80-%-Regel); Teilnehmende dürfen in Summe nicht schlechter gestellt sein (Art. 17c EnG)Wie ZEV; Messgebühren schmälern die MargeVom Netzbetreiber vorgegeben, kein SpielraumMit dem Grossverbraucher verhandelbar
NetztarifEntspricht den effektiven externen KostenWie ZEV, zusätzlich Messkosten des NetzbetreibersRegulärer NetztarifFür den Grossverbraucher verhandelbar
GrundgebührFestlegbar, kostenbasiert oder 80 % der Grundgebühr des NetzbetreibersMessgebühr kommt zur ZEV-Grundgebühr dazu, tendenziell teurerGrundgebühr Netzbetreiber plus Solar-ServicegebührNormale Grundgebühr für Netzbezug
Ersparnis für MietendeSpürbar, typisch 5–8 %Ähnlich, Messkosten verringern den VorteilAm kleinstenKein direkter Vorteil für Wohnmietende
Reststrom als GrosskundeMöglich ab 100 MWh/a, tieferer BezugspreisWie ZEVNicht möglichGrossverbraucher meist bereits Grosskunde
Investition MessinfrastrukturMittel bis hoch (private Zähler, Verteiler)Niedrig, Zusatzkosten für Datenanbindung und EMSKeine bis minimalAllenfalls separater Zähler oder Anschluss
Betriebskosten pro JahrModerat (Abrechnung, Zähler)Tendenziell am höchsten (Messgebühr pro Messpunkt plus Abrechnung)Am tiefstenZusätzlich für PPA-Verwaltung
Rendite für InvestierendeMittel bis gut; beste Basis für EigenverbrauchsoptimierungTendenziell tiefer als ZEV wegen höherer BetriebskostenOft gut dank geringer Investition, aber keine OptimierungMarge pro kWh leicht reduziert, freie Verhandlung
MehrwertsteuerSolarstromverkauf ist MWST-pflichtigWie ZEVErträge aus Solarstromverkauf MWST-pflichtigPPA-Erlöse MWST-pflichtig

Betrieb und Organisation

Im ZEV liegt die Betreiberrolle bei der Eigentümerschaft, lässt sich aber an einen Dienstleister abgeben. Im Praxismodell übernimmt der Netzbetreiber fast alles – mit entsprechend wenig Gestaltungsspielraum.

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KriteriumZEVvZEVPraxismodellSingle Tenant
Administrativer AufwandMittel: Abrechnung, Zählerunterhalt, ReglementMittel: kein Zählerunterhalt, aber Koordination mit NetzbetreiberGering, Netzbetreiber wickelt abMittel: Vertrags- und Rechnungsmanagement für den PPA
RollenverteilungKlar: Eigentümerschaft als Betreiberin, Messung und Abrechnung delegierbarKomplexer: Rollen zwischen Betreiber, Netzbetreiber und AbrechnungsdienstleisterEinfach: Netzbetreiber übernimmt fast alle RollenEigentümerschaft als Lieferantin; Abrechnung delegierbar
Akzeptanz bei MietendenGut erklärbar: tiefere Stromkosten, etabliertes Modell; Synergien mit HeizkostenabrechnungÄhnlich wie ZEVKaum Erklärungsbedarf, aber geringster wahrgenommener MehrwertKein Effekt auf Wohnmietende
Zukunftsfähigkeit (z.B. LEG)Guter Ausgangspunkt: ZEV kann an einer LEG teilnehmenWie ZEV, vZEV kann an einer LEG teilnehmenOffen, LEG-Teilnahme je nach NetzbetreiberUnabhängig von ZEV/vZEV/LEG

Welches Modell passt zu wem?

  • ZEV eignet sich für Neubauten, Mehrfamilienhäuser und Areale mit gemeinsamem Netzanschluss. Er bietet Mietenden die grösste Ersparnis und die beste Basis für Batterie, E-Mobilität und Energiemanagement.
  • vZEV eignet sich für bestehende Gebäude und mehrere Liegenschaften im selben Trafokreis, wenn ein physischer Zusammenschluss zu aufwändig wäre. Er braucht wenig Investition, bringt aber höhere laufende Kosten.
  • Praxismodell eignet sich, wenn der Aufwand minimal bleiben soll und der Netzbetreiber ein solches Produkt anbietet. Dafür verzichten Sie auf Gestaltungsspielraum und Optimierung.
  • Single Tenant eignet sich, wenn ein einzelner Grossverbraucher, etwa ein Gewerbebetrieb, den Grossteil des Solarstroms abnimmt.

Welche Lösung für Ihr Projekt die beste ist, hängt von Gebäude, Teilnehmenden und Zielen ab. Wir beurteilen das gerne gemeinsam mit Ihnen.

Und die LEG?

Die lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) ist kein Eigenverbrauchs-Modell, sondern eine Ergänzung. Seit 2026 können Produzierende und Verbrauchende innerhalb derselben Gemeinde Strom über das öffentliche Verteilnetz teilen – zu reduzierten Netznutzungstarifen. ZEV und vZEV können an einer LEG teilnehmen. Wer heute einen ZEV oder vZEV aufbaut, schafft damit eine gute Grundlage für eine spätere LEG.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen ZEV und vZEV?

Im ZEV teilen alle Teilnehmenden einen physischen Netzanschluss und werden über private Unterzähler gemessen. Im vZEV ist kein gemeinsamer Anschluss nötig; die Teilnehmenden müssen im selben Trafokreis liegen, gemessen wird über die Smartmeter des Netzbetreibers.

Welches Modell bringt Mietenden am meisten?

Der ZEV, mit typischerweise 5–8 % tieferen Stromkosten in Referenzprojekten. Im vZEV verringern die Messkosten des Netzbetreibers den Vorteil, im Praxismodell ist er am kleinsten.

Kann ich einen Batteriespeicher später nachrüsten?

Im ZEV einfach, hinter dem gemeinsamen Bilanzmesspunkt. Im vZEV ist es möglich, aber komplexer und teurer. Im Praxismodell ist es nicht vorgesehen.

Wer trägt die Verantwortung für Betrieb und Abrechnung?

Im ZEV und vZEV die Eigentümerschaft als Betreiberin. Messung und Abrechnung lässt sie oft von einem spezialisierten Dienstleister wie SEL erledigen.

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