ZEV, vZEV oder Praxismodell? Betreibermodelle für Solarstrom im Vergleich
Die vier Modelle kurz erklärt
ZEV (physisch): Physischer Zusammenschluss zum Eigenverbrauch. Alle Teilnehmenden – Mietende, allfällige Grossverbraucher, Allgemeinstrom – teilen einen gemeinsamen Netzanschlusspunkt. Gemessen wird über private Unterzähler.
vZEV (virtuell): Virtueller Zusammenschluss gemäss revidiertem Energiegesetz, seit 1. Januar 2026. Ein gemeinsamer physischer Anschlusspunkt ist nicht nötig. Die Teilnehmenden bleiben im selben Trafokreis, gemessen wird über die Smartmeter des Netzbetreibers.
Praxismodell (Standardprodukt des Netzbetreibers): Pragmatisches Produkt, das viele Netzbetreiber anbieten, etwa als «Eigenstrom»-Tarif. Es ist kein formeller ZEV: Die bestehenden Zähler pro Einheit bleiben, die Verrechnung ist vereinfacht.
Einspeisung Einzelverbraucher (Single Tenant): Der Solarstrom geht direkt an einen einzelnen Grossverbraucher, geregelt über einen bilateralen Liefervertrag (PPA) mit separater Messung. Alle übrigen Bezügerinnen und Bezüger werden wie bisher versorgt.
ZEV, vZEV, Praxismodell und Single Tenant im Detail
Wir haben die vier Modelle nach rund 40 Kriterien verglichen, aufgeteilt in vier Themen. Öffnen Sie ein Thema, um die Modelle direkt nebeneinander zu sehen.
Rechtlich und vertraglich
Der ZEV ist seit 2018 etabliert und rechtlich am besten abgesichert. Beim vZEV entstehen Praxis und Verordnungsdetails erst; Praxismodell und Single Tenant sind nicht ZEV-spezifisch reguliert.
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| Kriterium | ZEV | vZEV | Praxismodell | Single Tenant |
|---|---|---|---|---|
| Gesetzliche Grundlage | Art. 17a–17e EnG / StromVG, seit 2018, hohe Rechtssicherheit | Neu seit 1.1.2026 (Mantelerlass), Details teils im Aufbau | Kein spezifischer Rahmen, freiwilliges Produkt des Netzbetreibers | Zivilrechtlicher Liefervertrag (OR), keine ZEV-Regulierung |
| Versorgungspflicht | Beim ZEV-Betreiber, in der Regel die Eigentümerschaft | Beim vZEV-Betreiber | Bleibt beim Netzbetreiber; Eigentümerschaft verkauft nur PV-Strom | PPA für den Grossverbraucher; übrige in der Grundversorgung |
| Vertrag mit Endkunden | ZEV-Zusatz zum Mietvertrag oder ZEV-Reglement; gegenüber Netzbetreiber ein einziger Endkunde | Wie ZEV, plus Vereinbarung zum virtuellen Verbund | Solarstrom-Klausel im Mietvertrag oder Zustimmung zum Produkt | Bilateraler PPA mit dem Grossverbraucher |
| Meldung beim Netzbetreiber | Meldepflicht via Installationsanzeige, keine Bewilligung | Meldepflicht, plus Prüfung des Trafokreises | Anmeldung zum Produkt | Netzanschlussgesuch für den Messpunkt |
| Teilnehmerkreis | Alle hinter dem gemeinsamen Netzanschlusspunkt (Gebäude, Areal) | Gebäude im selben Trafokreis, auch ohne physische Verbindung | Kein Zusammenschluss | Nur ein Grossverbraucher |
| Mieterwechsel, Austritt | Im ZEV-Reglement geregelt; Neuvermietung an Teilnahme geknüpft | Wie ZEV, plus Koordination mit Netzbetreiber | Widerruf jederzeit möglich | Laufzeit und Kündigung im PPA geregelt |
| Verkauf, Handänderung | Anlage und ZEV gehen an neue Eigentümerschaft über, Betrieb läuft weiter | Wie ZEV; bei Teilverkauf Auflösung oder Reglement zwischen Eigentümern | Keine Sonderregelung nötig | PPA wird übernommen oder neu verhandelt |
| Datenhoheit | Daten beim ZEV-Betreiber oder Messdienstleister | Daten beim Netzbetreiber, Weitergabe via Datenfreigabe (SDAT) | Daten beim Netzbetreiber, eingeschränkter Zugriff | Daten beim Messstellenbetreiber, Weitergabe vertraglich regeln |
Messkonzept und Technik
Der physische Bilanzmesspunkt macht den ZEV zur besten Basis für Energiemanagement, Batterie und E-Mobilität. Beim vZEV ist das möglich, aber aufwändiger; das Praxismodell sieht keine Steuerung vor.
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| Kriterium | ZEV | vZEV | Praxismodell | Single Tenant |
|---|---|---|---|---|
| Stromzähler | Private, geeichte Unterzähler pro Einheit; ein Zähler des Netzbetreibers am Hauptanschluss | Smartmeter des Netzbetreibers an jedem Anschlusspunkt | Standard-Smartmeter je Einheit, keine Zusatzhardware | Separater Zähler beim Grossverbraucher |
| Bilanzmesspunkt | Ein physischer Bilanzmesspunkt fürs ganze Gebäude | Virtuelle Bilanzierung über mehrere Messpunkte | Nicht nötig | Eigener Messpunkt für den PPA |
| Eichfristen, Zählerersatz | Private Zähler: Eichfrist 10 Jahre, Ersatz durch Eigentümerschaft budgetieren | Durch Netzbetreiber, in Messgebühr eingepreist | Wie vZEV | Wie vZEV |
| Energiemanagement (EMS) | Sehr gut: zentrale, verzögerungsarme Steuerung | Eingeschränkt: höhere Latenz und Zusatzkosten für Daten | Kein zentrales EMS | Nur für den Grossverbraucher |
| Lastmanagement, Spitzenlast | Einfach umsetzbar; senkt Anschlussleistung und Netzkosten für alle | Möglich, aber aufwändig; braucht private Bilanzmessung | Nicht möglich | Nur für den Grossverbraucher |
| Batteriespeicher nachrüsten | Einfach hinter dem Bilanzmesspunkt integrierbar | Möglich, aber komplexer und teurer | Nicht vorgesehen; würde Wechsel zu ZEV/vZEV bedingen | Nur dem Grossverbraucher zugeordnet |
| Lastmanagement E-Mobilität | Zentral steuerbar, PV-Überschussladen für alle Ladestationen | Möglich, aber Koordination eingeschränkt, keine Eigenverbrauchsoptimierung | Nur lokal je Ladestation | Separat für die Ladestationen des Grossverbrauchers |
| Abrechnung E-Mobilität | Im ZEV integriert, über ZEV-Tarif | Wie ZEV, Schnittstelle zu Ladestationen nötig | Meist über separaten Ladeanbieter (CPO) | Im PPA oder separat |
| Energiemonitoring | Strom, Wärme, Wasser in einem System; Kennzahlen wie JAZ/COP und Portfolio-Reporting einfach | Möglich, Datenzusammenführung aufwändiger | Kein integrales Monitoring | Nur für den Grossverbraucher |
| Datenschnittstelle (API) | Gut umsetzbar; Kosten und Limits früh klären | Mehrere Anbindungen nötig, Stromdaten zeitverzögert (SDAT) | Meist keine API, nur Kundenportal | Meist keine API, nur Kundenportal |
| Heizkosten- und Wasserabrechnung | Im selben System wie Strom möglich, tiefere Kosten pro Abrechnung | Möglich, getrennte Datenquellen erschweren es | Bleibt separat | Bleibt separat |
| Flexibilitätsmärkte, dynamische Tarife | Guter Zugang über den Bilanzmesspunkt | Eingeschränkt, Aggregation über mehrere Messpunkte | Kein Zugang | Nur für den Grossverbraucher |
| Erweiterbarkeit | Gut auf weitere Gebäude am selben Anschluss; als Standard replizierbar | Sehr gut, auch räumlich getrennte Liegenschaften im selben Trafokreis | Wenig flexibel; hängt vom Angebot des Netzbetreibers ab | Nicht übertragbar |
Tarife und Wirtschaftlichkeit
Mietende sparen im ZEV am meisten, in Referenzprojekten typischerweise 5–8 % der Stromkosten. Das Praxismodell braucht kaum Investitionen, bringt Mietenden aber den kleinsten Vorteil.
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| Kriterium | ZEV | vZEV | Praxismodell | Single Tenant |
|---|---|---|---|---|
| Stromabrechnung | Durch ZEV-Betreiber oder Dienstleister, quartalsweise oder jährlich mit Akonto | Durch vZEV-Betreiber auf Basis der Messdaten des Netzbetreibers | Direkt durch den Netzbetreiber auf der Stromrechnung | Separate Rechnung gemäss PPA; übrige wie bisher |
| Solartarif | Frei festlegbar (kostenbasiert oder 80-%-Regel); Teilnehmende dürfen in Summe nicht schlechter gestellt sein (Art. 17c EnG) | Wie ZEV; Messgebühren schmälern die Marge | Vom Netzbetreiber vorgegeben, kein Spielraum | Mit dem Grossverbraucher verhandelbar |
| Netztarif | Entspricht den effektiven externen Kosten | Wie ZEV, zusätzlich Messkosten des Netzbetreibers | Regulärer Netztarif | Für den Grossverbraucher verhandelbar |
| Grundgebühr | Festlegbar, kostenbasiert oder 80 % der Grundgebühr des Netzbetreibers | Messgebühr kommt zur ZEV-Grundgebühr dazu, tendenziell teurer | Grundgebühr Netzbetreiber plus Solar-Servicegebühr | Normale Grundgebühr für Netzbezug |
| Ersparnis für Mietende | Spürbar, typisch 5–8 % | Ähnlich, Messkosten verringern den Vorteil | Am kleinsten | Kein direkter Vorteil für Wohnmietende |
| Reststrom als Grosskunde | Möglich ab 100 MWh/a, tieferer Bezugspreis | Wie ZEV | Nicht möglich | Grossverbraucher meist bereits Grosskunde |
| Investition Messinfrastruktur | Mittel bis hoch (private Zähler, Verteiler) | Niedrig, Zusatzkosten für Datenanbindung und EMS | Keine bis minimal | Allenfalls separater Zähler oder Anschluss |
| Betriebskosten pro Jahr | Moderat (Abrechnung, Zähler) | Tendenziell am höchsten (Messgebühr pro Messpunkt plus Abrechnung) | Am tiefsten | Zusätzlich für PPA-Verwaltung |
| Rendite für Investierende | Mittel bis gut; beste Basis für Eigenverbrauchsoptimierung | Tendenziell tiefer als ZEV wegen höherer Betriebskosten | Oft gut dank geringer Investition, aber keine Optimierung | Marge pro kWh leicht reduziert, freie Verhandlung |
| Mehrwertsteuer | Solarstromverkauf ist MWST-pflichtig | Wie ZEV | Erträge aus Solarstromverkauf MWST-pflichtig | PPA-Erlöse MWST-pflichtig |
Betrieb und Organisation
Im ZEV liegt die Betreiberrolle bei der Eigentümerschaft, lässt sich aber an einen Dienstleister abgeben. Im Praxismodell übernimmt der Netzbetreiber fast alles – mit entsprechend wenig Gestaltungsspielraum.
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| Kriterium | ZEV | vZEV | Praxismodell | Single Tenant |
|---|---|---|---|---|
| Administrativer Aufwand | Mittel: Abrechnung, Zählerunterhalt, Reglement | Mittel: kein Zählerunterhalt, aber Koordination mit Netzbetreiber | Gering, Netzbetreiber wickelt ab | Mittel: Vertrags- und Rechnungsmanagement für den PPA |
| Rollenverteilung | Klar: Eigentümerschaft als Betreiberin, Messung und Abrechnung delegierbar | Komplexer: Rollen zwischen Betreiber, Netzbetreiber und Abrechnungsdienstleister | Einfach: Netzbetreiber übernimmt fast alle Rollen | Eigentümerschaft als Lieferantin; Abrechnung delegierbar |
| Akzeptanz bei Mietenden | Gut erklärbar: tiefere Stromkosten, etabliertes Modell; Synergien mit Heizkostenabrechnung | Ähnlich wie ZEV | Kaum Erklärungsbedarf, aber geringster wahrgenommener Mehrwert | Kein Effekt auf Wohnmietende |
| Zukunftsfähigkeit (z.B. LEG) | Guter Ausgangspunkt: ZEV kann an einer LEG teilnehmen | Wie ZEV, vZEV kann an einer LEG teilnehmen | Offen, LEG-Teilnahme je nach Netzbetreiber | Unabhängig von ZEV/vZEV/LEG |
Welches Modell passt zu wem?
- ZEV eignet sich für Neubauten, Mehrfamilienhäuser und Areale mit gemeinsamem Netzanschluss. Er bietet Mietenden die grösste Ersparnis und die beste Basis für Batterie, E-Mobilität und Energiemanagement.
- vZEV eignet sich für bestehende Gebäude und mehrere Liegenschaften im selben Trafokreis, wenn ein physischer Zusammenschluss zu aufwändig wäre. Er braucht wenig Investition, bringt aber höhere laufende Kosten.
- Praxismodell eignet sich, wenn der Aufwand minimal bleiben soll und der Netzbetreiber ein solches Produkt anbietet. Dafür verzichten Sie auf Gestaltungsspielraum und Optimierung.
- Single Tenant eignet sich, wenn ein einzelner Grossverbraucher, etwa ein Gewerbebetrieb, den Grossteil des Solarstroms abnimmt.
Welche Lösung für Ihr Projekt die beste ist, hängt von Gebäude, Teilnehmenden und Zielen ab. Wir beurteilen das gerne gemeinsam mit Ihnen.
Und die LEG?
Die lokale Elektrizitätsgemeinschaft (LEG) ist kein Eigenverbrauchs-Modell, sondern eine Ergänzung. Seit 2026 können Produzierende und Verbrauchende innerhalb derselben Gemeinde Strom über das öffentliche Verteilnetz teilen – zu reduzierten Netznutzungstarifen. ZEV und vZEV können an einer LEG teilnehmen. Wer heute einen ZEV oder vZEV aufbaut, schafft damit eine gute Grundlage für eine spätere LEG.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen ZEV und vZEV?
Im ZEV teilen alle Teilnehmenden einen physischen Netzanschluss und werden über private Unterzähler gemessen. Im vZEV ist kein gemeinsamer Anschluss nötig; die Teilnehmenden müssen im selben Trafokreis liegen, gemessen wird über die Smartmeter des Netzbetreibers.
Welches Modell bringt Mietenden am meisten?
Der ZEV, mit typischerweise 5–8 % tieferen Stromkosten in Referenzprojekten. Im vZEV verringern die Messkosten des Netzbetreibers den Vorteil, im Praxismodell ist er am kleinsten.
Kann ich einen Batteriespeicher später nachrüsten?
Im ZEV einfach, hinter dem gemeinsamen Bilanzmesspunkt. Im vZEV ist es möglich, aber komplexer und teurer. Im Praxismodell ist es nicht vorgesehen.
Wer trägt die Verantwortung für Betrieb und Abrechnung?
Im ZEV und vZEV die Eigentümerschaft als Betreiberin. Messung und Abrechnung lässt sie oft von einem spezialisierten Dienstleister wie SEL erledigen.
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