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8. septembre 2026

Batteriespeicher in Immobilien: Erlösmodelle, Kosten und die richtige Reihenfolge

Batteriespeicher werden immer häufiger als Ergänzung zu Solaranlagen angeboten. Die Wirtschaftlichkeit hängt jedoch von mehreren Faktoren ab, die viele Eigentümer unterschätzen. Dieser Artikel zeigt, welche Erlösmodelle es gibt, was eine gespeicherte Kilowattstunde tatsächlich kostet – und welche Massnahmen mehr bringen als ein Speicher.

Warum Batteriespeicher jetzt gefragt sind

Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, kennt das Problem: Am Mittag produziert die Anlage am meisten Strom – aber der Rückliefertarif ist gering, und der Eigenverbrauch im Gebäude ist oft niedrig. Gleichzeitig steigen die Netzkosten, und viele Stromversorger führen dynamische Tarife ein.

In dieser Situation erscheint der Batteriespeicher als logische Lösung: Solarstrom speichern, wenn er im Überfluss vorhanden ist, und am Abend nutzen, wenn er gebraucht wird. Die Logik stimmt – aber die Wirtschaftlichkeit ist komplexer als sie zunächst scheint. 

Vier Erlösmodelle – und was davon wirklich trägt

Für Batteriespeicher in Immobilien gibt es grundsätzlich vier Möglichkeiten, die Investition zu refinanzieren. Sie unterscheiden sich stark in ihrer Relevanz für die Praxis.

Eigenverbrauch

Eigenverbrauch ist das wirtschaftlich stärkste Modell: Solarstrom wird im Speicher gehalten und selbst genutzt, statt ihn günstig ins Netz einzuspeisen. Die erzielte Rendite entspricht der Differenz zwischen dem internen Solartarif und dem Rückliefertarif. Dieses Modell hat die höchste Relevanz für Wohn- und Gewerbeliegenschaften.

Arbitrage mit dynamischen Tarifen

Funktioniert wie folgt: Günstig laden, wenn der Strompreis tief ist, und teuren Strom vermeiden, wenn er hoch ist. Das ist vor allem für Einzelverbraucher wie Einfamilienhäuser oder Gewerbebetriebe interessant – aber nicht für alle Liegenschaften relevant.

Peakshaving

Das Kappen von Lastspitzen. Klingt attraktiv, wird in der Praxis jedoch oft durch intelligentes Lademanagement ersetzt. Wer die E-Mobilität im Gebäude richtig steuert, braucht dafür in vielen Fällen keinen stationären Speicher.

Systemdienstleistungen

Die Vergütung für abrufbare oder sperrbare Energiemengen. Diese sind erst ab einer Speichergrösse von rund 150 kWh wirtschaftlich relevant. Für typische Wohnliegenschaften spielt dieses Modell kaum eine Rolle.

Wichtig zu wissen: Die vier Modelle lassen sich nur beschränkt kombinieren. Wer auf Eigenverbrauch optimiert, kann den Speicher nicht gleichzeitig vollständig für Systemdienstleistungen reservieren.

Was eine gespeicherte Kilowattstunde wirklich kostet

Bevor man in einen Batteriespeicher investiert, lohnt sich eine einfache Kostenrechnung. Was kostet eine Kilowattstunde Solarstrom, die über den Speicher geflossen ist?

Bei typischen Marktpreisen ergibt sich folgendes Bild: Zu den Gestehungskosten der PV-Anlage von rund 10 Rp./kWh kommen Speicherverluste von etwa 15 Prozent (entspricht ca. 1.8 Rp./kWh) und die eigentlichen Speicherkosten. Bei einem Speicher mit CHF 450.– pro kWh Kapazität und 5'000 Ladezyklen fallen weitere 9 Rp./kWh an.

Total kostet eine gespeicherte Kilowattstunde Solarstrom rund 20.8 Rp.

Das ist mehr als die meisten Eigentümer erwarten. Zum Vergleich: Direkter Eigenverbrauch – also Solarstrom, der ohne Umweg über den Speicher genutzt wird – ist rund 3.5-mal wertvoller als gespeicherter Strom, gemessen an der Netzeinspeisung als Referenz.

Der ZEV-Effekt: Warum Speicher in Zusammenschlüssen weniger rentieren

In einem Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) liegt der interne Solartarif tiefer als der Netzstrompreis. Das ist zunächst ein Vorteil für die Bewohnenden – hat aber eine wichtige Konsequenz für die Speicherwirtschaftlichkeit.

Ein Batteriespeicher im ZEV ersetzt nicht teuren Netzstrom, sondern günstigen internen Solarstrom. Das senkt den Wert jeder gespeicherten Kilowattstunde. Im ZEV ist der Erlös aus Speicherstrom rund 20 Prozent tiefer als bei einem Einzelverbraucher.

Das bedeutet: Je mehr Mieterinnen und Mieter im ZEV zusammengeschlossen sind und je günstiger der interne Solartarif, desto schwieriger ist die Wirtschaftlichkeitsrechnung für den Speicher.

Die richtige Reihenfolge: Prioritäten vor dem Speicherkauf

Der häufigste Fehler bei der Planung eines Energiesystems: Der Speicher wird gekauft, bevor die günstigeren Optimierungsmassnahmen ausgeschöpft sind. Die PV-Wirtschaftlichkeit ist heute eine Systemfrage – und der stationäre Batteriespeicher kommt in dieser Reihenfolge spät.

Zuerst sollte der Eigenverbrauch erhöht werden. Das gelingt durch die Erweiterung der Systemgrenzen (vZEV, LEG) , die Förderung von Elektromobilität im Gebäude und die Umstellung auf Wärmepumpenheizung. Diese Massnahmen erhöhen den direkt genutzten Solarstrom – ohne die Kosten eines Speichers.

Dann folgen bauliche Optimierungen: Eine gut dimensionierte PV-Anlage, und bei Neubauten oder Sanierungen auch die Ausrichtung der Module. Senkrechte Solarmodule an Fassaden etwa liefern mehr Ertrag am Morgen, am Abend und im Winter – genau dann, wenn die Tarife höher sind.

Erst danach lohnt es sich, über einen stationären Batteriespeicher nachzudenken. Und auch dann gilt: Mobile Speicher, also Elektroautos mit bidirektionalem Laden, sind oft die wirtschaftlichere Alternative zu stationären Batterien – weil sie keinen zusätzlichen Investitionsbedarf erzeugen.

Fazit

Batteriespeicher reduzieren Verluste im Energiesystem – aber die Speicherkosten fressen einen erheblichen Teil der Rendite. PV-Investitionen rechnen sich zuverlässig, wenn der Eigenverbrauch hoch ist. Der stationäre Batteriespeicher ist dabei nicht der erste, sondern der letzte Schritt einer durchdachten Energiestrategie.

Wer die richtigen Massnahmen in der richtigen Reihenfolge umsetzt, erzielt mehr Rendite – und braucht den Speicher oft gar nicht oder später als erwartet.

Häufige Fragen

Ab welcher Anlagengrösse lohnt sich ein Batteriespeicher?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Entscheidend sind der Eigenverbrauch im Gebäude, die Tarifstruktur des lokalen Stromversorgers und ob bereits andere Optimierungen – wie Elektromobilität oder Wärmepumpe – umgesetzt sind. Als Faustregel gilt: Systemdienstleistungen lohnen sich erst ab ca. 150 kWh Speicherkapazität.

Macht ein Batteriespeicher im ZEV Sinn?

Im ZEV ist der Wert von Speicherstrom rund 20 % tiefer als bei einem Einzelverbraucher, weil der Speicher den günstigen internen Solarstrom ersetzt statt teuren Netzstrom. Das macht die Wirtschaftlichkeitsrechnung anspruchsvoller. Zuerst sollten alle anderen Optimierungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden.

Was ist besser: stationärer Speicher oder Elektroauto mit bidirektionalem Laden?

Mobile Speicher (Elektroautos) sind in vielen Fällen die wirtschaftlichere Lösung, weil sie keinen zusätzlichen Investitionsbedarf erzeugen. Wer E-Mobilität im Gebäude fördert und das Laden solaroptimiert steuert, erreicht einen ähnlichen Effekt – ohne separate Batteriekosten.

Können Batteriespeicher auch Systemdienstleistungen erbringen?

Ja, aber nur bei ausreichender Grösse und unter bestimmten Bedingungen. Systemdienstleistungen (z. B. Vergütung für abrufbare Energiemengen) lassen sich zudem nicht beliebig mit dem Eigenverbrauchsmodell kombinieren, da der Speicher dafür reserviert bleiben muss.

 

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