News rund um Solarstrom für Mehrfamilienhäuser, Gewerbe und EVG


16. März 2026

Energiewelt von morgen – Perspektiven aus der Praxis: #4 Yannick Berberat, PM Abrechnungslösung SEL

Wie gelingt eine faire und transparente Energieabrechnung in zunehmend komplexen Energiesystemen? In der vierten Perspektive unserer Serie Energiewelt von morgen zeigt Yannick Berberat, PM Abrechnungslösung bei Smart Energy Link, welche Herausforderungen bei der Energieabrechnung in Eigenverbrauchsmodellen wie ZEV und vZEV entstehen – und warum einfache, nachvollziehbare Systeme entscheidend sind.

1) „Viele Eigenverbrauchsprojekte scheitern nicht an der Technik, sondern an Diskussionen über Rechnungen. Warum ist das Thema Abrechnen so zentral?“

Yannick: Die Abrechnung ist so zentral, weil drei Parteien völlig unterschiedliche Erwartungen haben – und alle drei gleichzeitig erfüllt werden müssen.

Der Eigentümer hat investiert. Er will Rendite, Rechtssicherheit und keinen administrativen Aufwand. Die Abrechnung ist für ihn der Nachweis, dass sich das Ganze lohnt.

Der Mieter hat keine Wahl. Er bezieht den Strom, ohne mitentschieden zu haben. Wenn die Rechnung nicht transparent ist, entsteht schnell das Gefühl: Ich trage die Kosten – und jemand anderes kassiert den Gewinn.

Die Immobilienverwaltung sitzt dazwischen. Sie muss gesetzeskonform, nachvollziehbar und effizient abrechnen – für jede Liegenschaft, jeden Monat. Das ist komplex. Und genau deshalb sind Verwaltungen auf spezialisierte Abrechnungsdienstleister angewiesen, die diese Komplexität beherrschen und Vertrauen auf allen Seiten schaffen.

Denn am Ende scheitert ein ZEV nicht an der Photovoltaikanlage auf dem Dach – sondern an der Excel-Tabelle im Büro oder am Streit im Treppenhaus. Gute Abrechnungslösungen sind kein Nice-to-have. Sie sind die Grundlage dafür, dass Eigenverbrauch als Erfolgsmodell funktioniert.

 

2) „Was braucht eine Abrechnungslösung, damit Nutzende ihr wirklich vertrauen – unabhängig davon, ob es sich um Wohnen oder Gewerbe handelt?“

Yannick: Ob Wohnen oder Gewerbe – das Grundbedürfnis ist immer dasselbe: Ich will verstehen, was ich zahle. Und ich will sicher sein, dass es stimmt. Aber Vertrauen entsteht nicht durch ein einzelnes Feature. Es ist das Ergebnis von mehreren Dingen, die zusammenspielen müssen:

Transparenz vor der Rechnung: Verbrauch, Eigenproduktion, Kostenverteilung – das alles sollte jederzeit nachvollziehbar sein. Wer seinen Verbrauch versteht, zweifelt die Rechnung seltener an.

Nachvollziehbare Logik: Wie wird der Solarstrom verteilt? Nach welchem Schlüssel? Diese Fragen kommen – im Wohnen vom Mieter, im Gewerbe vom CFO. Die Antworten müssen sichtbar sein, nicht im Kleingedruckten versteckt.

Regulatorische Zuverlässigkeit: Im ZEV-Umfeld ändern sich die Spielregeln. Nutzende müssen darauf vertrauen können, dass ihr Dienstleister diese Verantwortung aktiv trägt – heute und morgen.

Konsistenz über Zeit: Ein einziger unerklärlicher Betrag reicht, um Vertrauen nachhaltig zu beschädigen. Fehlerfreiheit ist kein Qualitätsmerkmal unter vielen – es ist das wichtigste.

Erreichbarkeit bei Fragen: Auch die beste Abrechnung wirft manchmal Fragen auf. Wer schnell und kompetent Antworten bekommt, vertraut der Lösung langfristig.

Der Ton mag sich unterscheiden – im Wohnen emotionaler, im Gewerbe sachlicher. Aber das Ziel ist dasselbe: eine Abrechnung, der alle Parteien vertrauen.

 

3) „Abrechnung wird oft als Pflicht angesehen. Wo liegt aus deiner Sicht ihr strategischer Hebel für wirtschaftlich erfolgreiche Eigenverbrauchsmodelle?“

Yannick: Das ist ein Fehler. Denn wer Abrechnung nur als administrative Last betrachtet, verschenkt einen der stärksten strategischen Hebel im Eigenverbrauchsmodell.

Abrechnung macht Eigenverbrauch sichtbar – und damit steuerbar. Erst durch eine granulare Abrechnung wird klar, wer im ZEV wie viel Solarstrom wirklich verbraucht, wann Lastspitzen entstehen und wo Potenzial ungenutzt bleibt. Diese Sichtbarkeit ist der erste Schritt zu echten Optimierungen – nicht nur auf Systemebene, sondern für jede einzelne Partei.

Wärme, Strom, Mobilität – alles hängt zusammen. Ein modernes Eigenverbrauchsmodell endet nicht bei der Steckdose. Wärmepumpen, Elektroboiler, Ladestationen für E-Fahrzeuge – all das sind Verbraucher, die im ZEV eine zentrale Rolle spielen. Wer diese Verbrauchsströme sauber erfasst und abrechnet, erkennt wo Solarstrom optimal eingesetzt wird und wo noch Optimierungspotenzial liegt. E-Mobilität allein kann den Eigenverbrauch massiv erhöhen – aber nur, wenn die Abrechnung die Grundlage dafür schafft, Ladezeiten und Verbrauch intelligent zu steuern.

Individuelle Transparenz als Verhaltenshebel. Wenn jede Partei im ZEV ihren eigenen Verbrauch nachvollziehen kann – aufgeschlüsselt nach Strom, Wärme, Mobilität – entsteht etwas Wertvolles: Bewusstsein. Und Bewusstsein verändert Verhalten. Nutzende, die sehen, dass sie um 14 Uhr günstigen Solarstrom beziehen können, laden ihr Auto anders. Mieter, die ihren Wärmeverbrauch verstehen, optimieren ihn. Das ist kein theoretisches Versprechen – das ist der Hebel, den gute Abrechnungsdaten freischalten.

Kurz gesagt: Abrechnung ist nicht das Ende des Prozesses. Sie ist der Anfang von Optimierung, Vertrauen und echtem wirtschaftlichem Mehrwert.

Herzlichen Dank, Yannick! 

 

👉 Gespannt auf die Fortsetzung? Nächste Woche teilt Mirko Bristle, Leiter Entwicklung a.i. bei SEL, seine Perspektive auf die Energiewelt von morgen mit uns. 

 


Schließen